
Eines vorneweg: Der Eifelturm sieht nachts aus wie eine Weihnachtstanne. Das ist kein Witz und auch keine Einbildung, er sieht aus wie eine gigantische, geschmacklos mit tausenden blinkenden Lichtern bestueckte, Weihnachtstanne. Ausserdem steht er wirklich nicht gut, wenn man zum Beispiel auf der Terasse der Kirche Sacre-Coeur im Stadtteil Montmartre steht – im Uebrigen der hoechstgelegene Platz Paris’ und Ort der wunderschoenen Schnitzeljagd-Szene im Film Le Fabuleuse Destin d’Amelie Poulain -, dann sieht man ihn nicht einmal.
Was man aber weit hin sieht, ist das Centre Pompidou und das ist wirklich ein interessantes Ding. Wenn man einen Pulli auf links stuelpt, dann sieht man all die Naehte. Wenn man das mit einem Haus macht (Rohre, Traeger, etc. nach aussen), dann hat man ein wunderschoenes Museum fuer moderne Kunst. Im Uebrigen war die groesste Kunst natuerlich auf dem Platz davor zu finden, wo ein Strassenmusikduo lustig musiziert hat.
Amsterdam zu verlassen fiel uns nicht leicht, selten haben wir uns an einem Ort so angenommen gefuehlt. Aber Paris ist Paris und wer weiss, wie lange es das noch bleibt. Also ab in den TGV, der nebenbei bemerkt weniger kontrabasskompatibel ist, als der ICE. Da sieht man mal wieder, wer hier das Kulturvolk ist! Bei Hanna konnten wir uebrigens nicht uebernachten, das hatten wir eigentlich vor. Und so begann die Episode Wollmond in Paris in einem Restaurant zur Goldenen Moewe (In Frankreich gibt es einen Burger, da sind Tortilla-Chips drauf – Vogelwild!), wo Anrufe bei guenstigen Hostels getaetigt wurden. Inzwischen wohnen wir im Absolute Paris, das ist zwei Minuten vom Place de la Republique entfernt und morgens gibt es da einen ganz furchtbaren Kaffee. Macht aber nix, es ist schoen da.
Gluecklicherweise haben wir Paris am ersten Abend ohne Instrumente erkundetm inzwischen kennen wir uns richtig brauchbar aus. Nur ein Problem: Kennt Ihr die mehr als zweifelhafte Verfilmung der Dan-Brown-Verschwoerungstuete Sakrileg? Am Ende rennt Tom Hanks in den Hof des Louvre hinein (da wo die glaesernen Pyramiden stehn) und bleibt dann auf einer riesigen Glasplatte stehen, durch die man in das Museum hineinsehen kann. Da darunter liegt im Roman naemlich Maria Magdalena begraben, von der wir alle Wissen, dass sie mit Jesus Vater, Mutter, Kind gespielt hat. Wir dachten uns, da muessen wir hin. Und dann haben wir die Platte gesucht, und siehe da: Il n’existe pas! Eine Stunde lang haben wir gesucht, und gefunden haben wir gar nichts. Dabei sieht das im Film doch alles so echt aus. Dahinter steckt bestimmt eine Verschwoerung. Daher:
Liebe Illuminaten, opus Dei und all die anderen Geheimorganisationen,
wir koennen ja gut verstehen, dass es gehoerig Spass machen kann, die Weltherrschaft an sich zu reissen. Aber warum muesst ihr so einen Schabernack treiben und einfach Glassplatten verschwinden lassen. Das ist doch albern.
Liebe Gruesse,
Wollmond
Wir haben inzwischen eine Theorie: Die Glasplatte befindet sich in der Mitte des Kreisverkehrs am Place du Carousel. Nur warum baut man eine Glasplatte an einen Ort, den man nicht betreten darf. Vogelwild, die Franzosen.
Trotzdem sind wir Touristen und das aber sowas von. Wir haben uns gleich mal richtig schoen ausnehmen lassen, am Square L. Michel unterhalb von Sacre-Coeur. Da laufen Horden von nordafrikastaemmigen jungen Maennern umher, die haben drei unterschiedlich farbige Schnuere dabei, die an einem Ende eine Schlinge bilden. Die stuelpen sie einem ahnungslosen (= dummen) Touristen ueber den Finger und dann fangen sie an, ein Armband zu flechten. Und wenn sie dann, sobald sie erfahren haben dass man Deutscher ist, mit ihren Sprachkentnissen angegeben haben (“Wie geht’s”, “Alles Klar”), wollen sie zehn Euro dafuer. Wolle ist fuenf Euro aermer geworden, Simon drei. Dafuer haben wir jetzt neue Armbaender….

Musik gemacht haben wir auch, Paris ist traumhaft fuer Strassenmusik. Die Menschen sind interessiert und es gefaellt ihnen, Plaetze gibt es sowieso genug. So haben wir am Place Martin vor dem Centre Pompidou (daneben, am Place Igor Strawinsky, steht ein herrlicher Brunnen von Nici de Saint-Phalle und Jean Tingeuly) angefangen und wurden gleich mal durch einen Regenschauer unter ein nahes Dach verjagt. Da war die Akustik aber eh viel besser. Hinter uns lungerten vier junge Maenner offensichtlich nordafrikanischer Herkunft herum, irgendwann kamen dann vier Beamte der franzoesischen Polizei mit Schlagstoecken und Handschellen um die vier einfach Pauschal auf Aufenthaltsberechtigung, Drogen und Waffen zu untersuchen. Als Abschiedsstaendchen fuer die Toleranz haben wir Paul Simons Slip Slidin Away gespielt.
Spaeter ging es dann weiter zum Hotel de Ville, aber da haben uns eigentlich bloss zwei aufgedreht kichernd tanzende Teenager weiblichen Geschlechts zugehoert. Richtig schoen war es im Garten (Jardin) des Musee de Louvre, da hat es den Leuten wohl richtig gut gefallen, was wir so treiben. Toll auch die amerikanische Touristin, die waehrend “Mrs Robinson” zu uns lief und uns ihren Fuehrerschein unter die Nase hielt. “Robinson” stand da. God pless you please, Mrs Robinson.
Leider darf man da nicht spielen, also im Garten vom Louvre und irgendwann war auch die Toleranz von dem Aufseher zu Ende. Am Ende des Tages sind wir also nocheinmal zum Centre Pompidou. Da haben sich die Leute in den letzten Sonnenstrahlen auf den Platz gesetzt und uns zugehoert. Viele waren das, zum Beispiel zwei Maedchen im Studentenalter, die fast fuenfzehn Minuten lang gemeinsam an einem einzigen Duebel nuckelten. Wir haben Neil Young gespielt, und auch Robert Duelahn, den grossen tuerkischen Songwriter. Und dann kam diese riesige Gruppe Teenager zweifelhafter Nationalitaet, bestimmt dreissig Jugendliche, vielleicht eine Schulklasse. Von denen haben wir unsere allererste Laola-Welle bekommen und ausserdem viel Applaus. Und als sie nach vier, fuenf Liedern, das letzte wird wohl Rolling Stone gewesen sein, oder vielleicht auch Tom Petty’s Free Falling, gehen wollten, da haben sie sich in Reihe und Glied aufgestellt und brav jeder ein paar Muenzen in unseren Mundharmonikakoffer gelegt. Also:
Liebe LehrerInnen,
Ihr wollt Disziplin, Anerkennung, Respekt und gutes Benehmen? Kauft euch eine Gitarre und einen Kontrabass. Und im Zweifelsfall spielt einfach Amy MacDonald, damit kriegt man sie alle!
Viele Gruesse,
Wollmond
Heute morgen stand noch einmal Montmartre auf dem Programm, ein paar Songs am Abessese Butte schrummeln. Und heute Abend gibt es eine Wollmond’s original Paris-Farewell-Party in Form eines musikalischen Picknicks auf der Pont des Arts. Paris stellt die Bruecke, Wollmond die Kunst.
Und dann? Dann heisst es Adieu, ma belle Paris. Dann geht es zurueck nach Deutschland, in die Pfalz.
Und wem das jetzt nicht genug Paris auf einer Seite war, wir werden demnaechst eine Liste aller Orte online Stellen, die wir in Paris nicht besucht haben. Neben der Stahl-Weihnachtstanne und der Freiheitsstatue werden sich da auch so grossartige Namen wie das Bistro “Deux Moulins” oder der erste der drei Triumphboegen finden. Seid gespannt.
Achja: Wir haben viel gesehen in Paris, aber kein Nilpferd.